Neverwinter = Jeremy Falkner

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Quentin
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Neverwinter = Jeremy Falkner

Post by Quentin » 28 Jun 2019, 11:51

Es war einer dieser Tage. Einer der Tage an denen man lieber auf sein Bauchgefühl hören sollte und im Bett bleiben sollte, da Jeremy jedoch kein Bett in der Form besaß ignorierte er gekonnt sein Bauchgefühl.

Seit gestern knapp nach Sonnenuntergang saß er in der Taverne im finstersten Eck das er finden konnte. Vor ihm am Tisch stand ein Humpen, daneben eine halb gelehrte Flasche süßlicher Rum.
Die ersten Sonnenstrahlen brachen die dunstige Luft auf und eine wohlbeleibte Frau knallte ihm einen Holzteller mit etwas Brot, Speck und einem Becher Milch „Hier bevor du mir verhungerst.“ sagte Marina, die Besitzerin der Taverne in der Jeremy schon als Kind spielte wenn sein Vater sich hier die halbe Nacht voll laufen ließ.

Etwas mühsam streckte sich Jeremy und griff zum Brot „Danke Marina du bist einfach die beste.“
„Pfff, deine Mutter, würde mich Heimsuchen, wenn ich mich nicht zumindest ein wenig um dich kümmern würde.“

Jeremy grinste ein wenig und nahm einen Herzhaften bissen vom Brot.
Obwohl es noch sehr zeitig war ging es in der Taverne bereits sehr geschäftig zu, einige Frauen holten Kannen mit Milch ab andere wiederum Eier und bestelltes Brot. Normalerweise würden solche Dinge direkt beim Bauern geholt werden da jedoch der einzige Bauer des kleinen Dorfes ein absoluter Griesgram war und ihm ohne hin nur Marina Parole bieten konnte spielte sie einfach die Vermittlerin, nahm Bestellungen auf und ließ sich vom Bauern direkt beliefern. Selbstverständlich machte sie das nicht für Gotteslohn, immerhin ist eine Taverne zu erhalten recht Teuer vor allem wenn mal wieder die Gemüter hoch Schlagen und in einer Prügelei die halbe Einrichtung zu Bruch ging.
Aber dank ihres Geschäftssinns hatte sie sich so ein gutes zweites Standbein aufgebaut, was sich sogar auch in 1-2 Nachbardörfer rumsprach.

Langsam wichen die Hausfrauen und Mütter als Klientel den Männern die im unweit entfernten Steinbruchs arbeiteten, es war kein großer Steinbruch aber es reichte um die Häuser des Dorfes bauen zu können und auch ein bisschen was ins Umland zu verkaufen. Auch der ein oder andere Dauergast kam in die Taverne um bis am Abend zu bleiben wo sich immer dieselben Szenen abspielten. Eine total entnervte Frau kam in die Taverne zog ihrem Mann eine drüber und schleppte den Volltrunkenen der Kerl der Besserung gelobte nach Hause.
Jeremy erinnerte sich wie vor ein paar Jahren einmal sich genau wieder so eine Szene abspielte nur das der Mann seine Frau schlug als sie ihn versuchte aus der Taverne zu bekommen. Noch nie hatte er Marina so wutentbrannt gesehen.
Sie packte den Kerl und schlief ihn unter lautstarken Beschimpfungen seiner seits beim Hinterausgang raus, es war danach ein wenig Geschrei zu hören. Nach etwa 10 Minuten kam Marina wieder zurück in die Taverne und schickte die Frau mit den Worten „Geh nach Hause Schätzchen, es wird nun alles besser glaube mir.“

Jeremy sah den Mann der die Frau geschlagen hatte seither nie wieder in der Taverne, ab und an einmal im Dorf immer mindestens 3 Schritte abstand zu seiner Frau die vor ihm her ging.
Während Jeremy bei seinem Frühstück war und über seine Kindheit und Jugendzeit im Dorf nachdachte kam ein Fremder in die Taverne, was in den Abendstunden nicht weiter ungewöhnlich gewesen wäre doch morgens. Der Fremde war schmutzig und total erschöpft es war nicht zu übersehen das er eine weite Reise hinter sich haben musste.
Sofort versorgte Marina den Fremden mit Wasser und etwas proteinreicher Kost.

„Tut, mir leid ich habe kein Geld ich kann das nicht bezahlen.“
„Unsinn, du isst das jetzt immerhin will ich nicht das mir in meiner Taverne wer abkratzt, weißt du wie Rufschädigend sowas sein kann.“
Dies ließ sich der Fremde nicht zweimal sagen und langte zu als ob er seit mindestens 10 Jahren nichts mehr gegessen hatte.
„Wow das nenn ich Appetit, wo wolltest du eigentlich hin, ich kann mir nicht Vorstellen das unser bescheidenes Dorf dein Ziel war.“ Fragte Marina
„Ich suche nach einem Mann namens Rob Knoxville, er soll hier irgendwo in der Gegend sein.“
Selbstverständlich kannte Marina diese unhold, ein Bandit, Räuber, Mörder und Schänder und das alles unter dem Deckmantel doch eigentlich der Gute zu sein, zum Glück machte er bis Dato einen Bogen um das Dorf.
„Was willst du denn mit diesem Kerl?“
„Ich will ihn Umbringe.“
Marina blinzelte einige male und fing an ins Lachen „Tja, ich glaube das haben schon ganz andere Versucht.“
„Die anderen hatten vielleicht keinen so guten Grund wie ich, er nahm mir meine Frau, meine Kinder und meinen Hof, steckte alles in Flamen, ich will dieses Schwein tot sehen.“
„Ahja und wie willst du das anstellen? Du siehst mir nicht gerade so aus als würdest du auch nur ansatzweise ein Schwert in deinem gegenwärtigen Zustand halten können.“
„Egal, dann gehe ich eben drauf dabei, zumindest habe ich mir dann nichts mehr vorzuwerfen.“

Auch Jeremy kannte diesen Rob Knoxville, immer wieder mal spähte er dessen derzeitiges Lager etwa 20 km vom Dorf entfernt aus um gegebenen Falls das Dorf vor einem Angriff warnen zu können. Glücklicherweise war Knoxville gerade in einem Streit um Ländereien und Besitztümer mit einem anderen ebenso halunkischen Gesellen wodurch sein Dorf fürs erste mehr oder weniger sicher war.
Jeremy stand auf und setzte sich zu dem Fremden „Selbst, wenn du sein Lager finden würdest, er hat derzeit rund 30 Gefolgsleute, sein Lager umfasst 12 große Zelte und ein Waffenarsenal welches sogar den Waffenkammern von Königen ehre machen würde. Also selbst wenn du es findest wie meinst Du, dass du ihn zu fassen bekommst?“
Der fremde brummte nur ein wenig und aß weiter, bis es ihm Aufging „Was wie du weißt wo sich der Halunke versteckt? LOS SAG ES MIR SOFORT!“
„Um dich in den sicheren Tot zu schicken, nein danke.“
„SAG ES MIR SOFORT!“ Schrie der Fremde und zog einen Dolch unter seinem Gewand hervor.
„Oh Bitte, mach dich nicht lächerlich.“
Gerade als der Fremde wutentbrannt auf Jeremy losgehen will saust ein Nudelholz auf die Hand des Fremden in der er das Messer hielt. Marina mochte sowas am frühen Morgen überhaupt nicht.
„Argh!“ gab der Fremde von sich und ließ das Messer aufgrund des Schlages fallen.
„Hier nimm das, und nun verschwinde.“ Marina warf ihm einen Beutel mit etwas Essen und 2 Silbermünzen zu.
Der Fremde stand da und stutzte ein wenig.
„RAUS!“ Schrie ihn Marina an.
Der Fremde hob seinen Dolch auf und verließ erzürnt die Taverne.
„Das war jetzt aber ein wenig übertrieben Marina“
„Ich habe es dir doch heute schon einmal erklärt, wenn ich nicht auf dich Aufpassen würde hätte ich es auch noch mit dem Geist deiner Mutter zu tun.“
Jeremy grinste erneut und begann sich sein Bandana um den Kopf zu wickeln während er Richtung Ausgang ging.
„JEREMY! Stell ja nichts an, hast du verstanden.“ Rügte ihn Marina wohl wissend das er im begriff war was ganz Dummes anzustellen.

Jeremy verfolgte den Fremden bis in ein nah gelegenes Waldstück wo der Fremde an einem großen Baum rast machte und mit seinen Emotionen kämpfte.
„Also wie war das nochmal, wie wollteste du Knoxville beseitigen?“
„WAS WER, …. WER IST DA!“ sprang der Fremde mit gezücktem Dolch auf
„Hier oben du experte!“ rief ihm Jeremy zu der direkt über ihm auf einem großen Ast von dem Baum stand unter dem sich der Fremde zum Rasten gesetzt hatte.
„Das geht dich überhaupt nichts an, lass mich in Ruhe.“ Sagte der Fremde als er sich zusammenpackte und dem Waldweg weiter folgte.
Schon einige schritte entfernt wollte der Fremde gerade seinen Dolch wieder verpacken als ein rauschender Pfiff durch die Luft ging und ihm seinen Dolch aus der Hand riss.
Der Dolch lag nun einige Meter vor seinem Besitzer und daneben steckte ein Pfeil im Boden, entsetzt drehte sich der Fremde zu Jeremy um welcher gerade wieder seinen Bogen schulterte.
„Also irgendwie hätte ich doch ganz gerne eine Antwort, ich sehe es nicht gerne, wenn Leute sinnlos in den Tot laufen.“
„Was wie jetzt? War das dein Pfeil? Das ist unglaublich, du du,… du musst es erledigen du musst diesen Mistkerl für mich töten.“
„Hääää? Momentmal, ich wollte dir diesen Quatsch ausreden und nicht mich dir als Söldner anbieten.“
„Du musst einfach für jemanden der sowas kann wie das hier ist es ein Kinderspiel diesen Dreckskerl zu erledigen.“
„Naja,…..“ druckste Jeremy rum
„Ich gebe dir alles, alles was du willst.“ Entgegnete der Fremde energisch.
„Ach komm, du hast doch ohnehin schon nichts was willst mir also geben.“
„TU ES ODER ICH WERDE MIR AUF DER STELLE DEN HALS AUFSCHNEIDEN!“ kaum gesagt sprang der Fremde zu seinem Dolch und hielt es sich selbst an die Kehle.
„Echt jetzt? Meinst du wirklich das du mich so überzeugen kannst?“
„Ich,… Ich,….“ Erneut brach der Fremde zusammen mit Tränen in den Augen.
Seufzend ging Jeremy zu ihm und hockte sich vor ihn nieder, „Oh je du bist echt am Ende,… was,… also gut, hast mich breit geschlagen.“
„Wirklich?“
„Jaja,…. Aber das ist nicht umsonst, klar?
„Natürlich alles was du willst.“ Sagte der Fremde dankbar während er sich die Tränen aus dem Gesicht wischte
„Fürs erste könntest du mir mal deinen Namen verraten, Fremder.“
„Armin Greifenstein.“
Mit einem kräftigen ruck half Jeremy dem nun wieder Mut schöpfendem Armin auf die Beine „Ich bin Jeremy.“
„Gut, Jeremy also, und wie soll ich dich entlohnen?“ fragte Armin mit etwas Anspannung in der Stimme
„Ach das, dass Überlege ich mir noch, geh erstmal zurück in die Taverne, sag der dicken Frau ich habe dich zurückgeschickt, sie wird ein wenig forsch sein aber daran gewöhnt man sich.“
Armin nickte und machte sich auf den Weg zurück in die Taverne.
„Ohje wo habe ich mich da nur wieder reinziehen lassen?“ murmelte Jeremy zu sich selbst und machte sich auf den Weg zum Lager von Knoxville.

Mittlerweile war es kurz vor Mitternacht und Armin wurde von Marina kreuz und quer durch die Taverne gejagt um abzuwaschen, aufzukehren und ungeliebte Gäste zu entfernen. Genau zum Schlag der 12 Stunde stand Jeremy in der Tür der Taverne und Armin stürmte sogleich ungeduldig auf ihn los.
„Und ist es erledigt? Hast du es geschafft? Ist er endlich tot?“
„Nur mit der Ruhe, ich habe nur mal die Lage sondiert, und abgesehen davon solltest du hier nicht so rumbrüllen wer weiß wer hier für wem arbeitet.“
Armin wurde Kreidebleich und sah sich dann angespannt um, „Komm mit.“ Sagte Jeremy und führte ihn hinter die Taverne in einen kleinen Hof.

„Also wie gesagt ich habe die Lage erstmal ausgekundschaftet, wie es aussieht hat Knoxville in 2 Tagen eine Art Vertragsunterzeichnung, da werde ich zuschlagen.“
„2 Tage sagst du? Nun ich war so lange hinter ihm her, dass ich diese 2 Tage mit Freuden erleben werde.“
„Naja immerhin wird deine Einstellung etwas positiver.“

Tatsächlich 2 Tage später machte sich Knoxville mit einem kleinen Teil seines Gefolges auf zu einer Lichtung am Waldesrand, leise gefolgt von Jeremy, immer darauf bedacht sein Ziel im Auge zu behalten. Es schien eine endlose Wanderung für den Fetten Knoxville zu sein der sich alle paar Kilometer niedersetzte um sich zu erholen.
Doch irgendwann endet jeder Weg, Knoxville kam an der Lichtung an wo bereits 2 in sehr edle Rüstungen gekleidete Elfen und ein in einer alten Lederkluft gekleidete Mensch warteten.
Jeremy war nicht nahe genug um zu verstehen was sie sagen, jedoch Nahe genug um sein Ziel mit 100% Sicherheit zu treffen. Er nahm seinen Bogen, legte den Pfeil an die Sehne und spannte den Bogen in einer langen fließenden Bewegung. Als sich seine Finger von der Sehne seines Bogens lösten war es als würde die Zeit bis der Pfeil sein Ziel erreichte Still stehen. Dann endlich ein Perfekter Treffer, mit Zorn in den Augen drehte sich die weibliche Elfe in Jeremys Richtung welcher gerade seinen Bogen Schulterte, er legte zwei Finger an die Stirn und grüßte so die Elfe bevor er im Walddickicht der Baumkronen verschwand.

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