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Re: S'Me Kelly - Erinnerungen

Posted: 30 Mar 2019, 17:32
by Tom
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Nicht so schöne neue Welt.
Diese Episode lässt mich mitunter nachts aufwachen und einfach so ein Schwätzchen mit Freija, Thor oder Heimdall anfangen, einer hatte bislang immer Zeit.

Es begann alles ganz normal.
Wir bekamen einen Auftrag, diesmal sollten wir einen wildgewordenen Sasquatch im Sioux-Territorium einfangen. Ein Truppe Wildcats, eine Sioux-Ranger-Elite-Einheit begleitete uns, ich vermute genauso sehr, um uns zu unterstützen, wie uns im Auge zu behalten.
Ich wurde vom begleitenden Schamanen Iveo Rabenfeder so furchtbar angegraben, dass ich es bald nicht mehr von der schmeichelhaften Seite nehmen konnte. Irgendwann riss Gilette der Geduldsfaden und sie hat den Typ am ausgestreckten Arm aus unsrem Truppenheli rausgehalten und ihm gedroht ihn loszulassen, wenn er nicht auf der Stelle den Gentleman in sich entdeckt. Seine Kameraden schauten komischerweise überallhin, nur nicht zu der Szene. Dieser Schammi schien in der eigenen Truppe nicht besonders beliebt.
Als wir schließlich den mutierten Troll erwischt und nach anstrengender Aktion sicher fixiert hatte, rächte sich der Drecksack Iveo, indem er einen Bombenzauber direkt in unsrem kleinen Briefing, wie wir jetzt weitermachen könnten, losgelassen hat.
Als wir wieder zu uns kamen, lagen wir im Memorial Hope, einem Krankehaus für sehr Betuchte, wie zum Beispiel Platin-Doc-Waggon-Vertragler. Die Draco Foundation war für alles aufgekommen, aber leider hatte Sireen die Sache nicht überlebt.
Um mich kümmerte sich rührend Keesha, die in den drei Monaten meines künstlichen Komas kaum von meinem Krankenbett gewichen war.
Fritz hatte seine Helga, die durch eine neuartige Therapie ihre Allergien vollkommen im Griff hatte und die durch eine weitere Genbehandlung sogar ganz normale Nahrung zu sich nehmen konnte. In diesem Zuge war sie sogar wieder in die Zwergen-Gemeinschaft aufgenommen worden.
AA hatte seinen neusten Lover, den er bei unsrer letzten Party im Dantes abgeschleppt hatte, der sich als erstaunlich treue Seele und fürsorglicher Partner erwiesen hatte.
Sogar Gilette besuchte mich, da sie weit früher genesen war als wir alle und zeigte mir stolz ihren Verlobungsring.
Bei einem Besuch meines Aktien-Schiebers fiel ich fast aus allen Wolken, als ich erfuhr, dass ein Teil meiner Creds, die auf Rianons Rat in Aktien angelegt hatte, sich verdreihundertfacht hatte. Anstatt Aktien im Wert von 120.000 NuYen, waren sie nun etwas über 35 Mio NuYen wert.
Ich verkaufte natürlich sofort und setzte mich zur Ruhe. Gilette und AA stellte ich pro forma als Security bei fürstlichen Gehalt ein und mit den 750.000 NuYen, die jedem von uns als Schmerzensgeld von der Sioux-Nation zugesprochen worden waren, hatten wir alle unsere Schäfchen sowas vom im Trockenen, wie wir es uns nie erträumt hätten.
Das Leben war, um es kurz zu sagen, großartig zu uns.
Auch wenn es mich immer wieder irritierte, wieso Keesha plötzlich so anhänglich geworden war, war ich nicht unzufrieden. Sie war eine aufmerksame Liebhaberin, eine aufmerksame Freundin und schien mich zum Mittelpunkt ihres Lebens gemacht zu haben. Man erkennt wohl erst was man hat, wenn man es beinahe verloren hat – so dachte ich jedenfalls.
Dass meine eigentliche „feste Beziehung“ so sang und klanglos untergegangen war, dass sie sich nicht einmal, wenn wir unter uns waren, anmerken ließ, dass es da zwischen uns eine geheime, nichts desto trotz ernste Sache gegeben hatte, traf mich dann doch schwer.
Auch mit Asgard war es nicht mehr dasselbe. Doch das erklärte mir ein Fachmann, dass magischen Fertigkeiten durch schwere Traumata mitunter verschwanden oder zumindest verblassten.
Dennoch, mein Leben hatte schon so viele Höhen und Tiefen durchlaufen, mit diesem Happy End konnte ich durchaus leben.
Als ich schließlich 100 wurde und Keesha so langsam auf die 60 zuging, wollte ein Team vom Peoples Magazin mich über mein Leben interviewen.
Weitere gute Anlagen hatten mich beinahe ohne mein Zutun zu einer Mittel bis Großaktionärin in 4 der Top 10 Kons gemacht. Seit Gilettes Tod hatte ich ohnehin jegliches Interesse an Abenteuern mit körperlichen Risiken verloren - meine wilden Jahre waren wohl vorüber.
Also war ich geschmeichelt und stimmte dem Interview zu.
Was mich zuerst misstrauisch achte, weiß ich gar nicht mehr genau. Waren es die ausweichenden Antworten auf meine Fragen, vielleicht auch, dass sie über meine Aktivitäten meiner Laufbahn vor meinem Erwachen gar nichts wissen wollte.
Vielmehr interessierte das Magazin-Team, was genau ich für die Draco Foundation getan hatte.
Doch auch wenn das ganze 30 Jahre in der Vergangenheit lag und der Hauptgrund, warum ich der Foundation, - abgesehen von Dunkelzahns Vision – so loyal gegenüber war, verschwunden war, so war ich doch lange genug in den Schatten gelaufen. Ich war ein Profi, oder war wenigstens einer gewesen. Diskretion, wenn dafür bezahlt, war Ehrensache. Es war wie die Regel Eins des Fight-Clubs.
Dennoch drängte mich das Reporterteam immer mehr, brachte Einverständniserklärungen der Foundation bei, lockte mich mit unglaublichen Cred-Summen, usw.
Irgendwann habe ich einfach mitgespielt. Ich habe ihnen alles erzählt, was sie hören wollte.
Nur, dass nichts davon wahr war. Ich gab vor nichts über die Hintergründe der Aufträge gewusst zu haben, dachte mir Schauermärchen und Intrigen innerhalb meines Teams und der Foundation aus, und blieb so nahe es sinnvoll war an der Realität, zündete aber dabei mehr Nebelkerzen an, als alle Tempel des Buddhas zusammen. Ich hatte noch zwei weitere Sitzungen, wo sie aber wenig Neues wissen wollten, sondern dieselben ollen Kamellen aufwärmten. Schließlich verweigerte ich weitere Interviews und war nur wenig überrascht, schließlich entführt zu werden.
Renraku hatte ein Team geschickt, die aus mir alles herausholen sollten, was sie konnten. Folter ist keine schöne Sache, wie ich bald herausfand, aber mir war inzwischen ein Verdacht zur Gewissheit geworden, also hielt ich eine ganze Weile durch. Letztlich hätten sie mich doch gebrochen, keiner hält ewig durch, aber dann wurde ich aus einer der Ohnmachten, in die sich mein Geist während der Folter oft flüchtete, herausgeholt.

Niemand kann sich vorstellen, wie ich mich gefreut habe, Sireens Gesicht zu sehen und zu spüren, wie man mir Dinge aus den Armen zog, Fesseln abnahm und man mich aus dem Tank holte, indem ich ganze 17 Tage verbracht hatte.
Ein Gruppe, deren Auftraggeber wir eines Tages ganz sicher ermitteln werden, hatte vier von uns erwischt und in diese Tanks gesperrt und mit Troden in eine schöne neue Sim-Welt geschickt, in der wir entspannt unsre Geheimnisse preisgeben sollten.
AAs und Gilettes irre Konstitution hatten sie solange durchhalten lassen, dass Sireen entwischen konnte. Die hatte Himmel, Hölle und die Foundation in Bewegung gesetzt, um uns zu finden. So unter Zeitdruck konnten die Entführer nicht so langsam und gründlich vorgehen, wie offenbar geplant.
Gilette war so in Verhörtechnik geschult, dass sie den Schwindel fast sofort durchschaut hatte, Fritz ist von Natur aus keine Plaudertasche und AA wusste schlicht noch nicht wirklich viel, dazu war er zu frisch dabei, quasi noch auf Bewährung.

Nunja.
Immer wenn es das Schicksal jetzt fast zu gut mir meint, checke ich meine meta-magischen Gaben. Meine Art Asgard und seine Bewohner zu sehen und zu kontaktieren sind einzigartig. Auch die Charaktere und ihre Beziehung zu mir sind einzigartig, und, wie ich mir sicher bin, nicht einmal aus meinen Erzählungen glaubhaft zu replizieren.
Und immer wenn mir Thor den alten Witz erzählt, von dem Zwerg und dem Riesen, die einen Pinkelwettstreit um Leben und Tod austrugen und dabei die Pointe ruiniert, dann weiß ich, dass ich noch in der realen Welt bin.
Real genug für mich jedenfalls.
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Re: S'Me Kelly - Private Aufzeichnungen

Posted: 31 Mar 2019, 10:08
by Tom
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So ein Käse mit den Drachentötern!
Das Team war gerade auf einem Erholungsurlaub. Nach dem Riss in Denver, der Beinahekatastrophe vor Kalifornien und vor kurzem der Folter durch einen unbekannten Feind, schienen unsre Missionen mir zunehmend mehr abzuverlangen und unser Bedürfnis nach Regeneration wurde größer.
Also war es gar nicht so schwer gewesen, die anderen zu einer Biker-Tour zu überreden. Zum Glück blieb uns, durch das gute und recht regelmäßige Einkommen, inzwischen die Notwendigkeit für das Annehmen anderer Jobs erspart. Klar, wir waren damit faktisch Angestellte der Draco Foundation, aber sehen wir das doch mal realistisch:
Sireen war ohnehin eine Agentin der Foundation, nicht weniger als Mercury es war, wenngleich auch unbekannter. Gilette stand tief in der Schuld Daviars und war zudem auch jemand, der sich in festen Strukturen wohler fühlte. AA war faktisch ein Mündel der Foundation, blieben also nur noch ich und Fritz. Natürlich hätte Fritz es nicht zugegeben, aber seitdem er in der Foundation den besten Weg sah, Leuten wie seiner Schwester zu ihrem Recht zu verhelfen, war er ohnehin bereits ein Teil der Stiftung geworden.
Tja, und ich? Ich hatte Rianon und wir beide hatten uns inzwischen so aneinander gewöhnt, dass wir wirklich das waren, was man eine Familie nennen kann. Sofern eine Familie aus einer Druidin eines uralten Norsenkult und einer uralten, enthaltsamen Vampirin bestehen kann. Arbeiten musste ich also eigentlich auch nicht mehr, ich hätte nur nicken müssen und wäre 100% Teil des Familiengeschäfts gewesen. Aber Rianon bekämpfte den „Feind“ und wir Kellys hatten schon immer eine Schwäche als Familie für eine gerechte Sache zu kämpfen.
Was ich damit sagen will, auch wenn ich hin und wieder freiberuflich Jobs annahm, allein um mir selbst zu beweisen, dass ich jederzeit meinen Krempel packen konnte und irgendwo neu anfangen, so war ich doch verdammt eng an die Ziele der Foundation gebunden.
Und dann war ja noch diese seltsame Beziehung, die sich anfühlte, wie etwas Wertvolles, Festes, beinahe Dauerhaftes, aber noch trauten wir beiden uns nicht. Zu unterschiedlich war unser Leben. Egal!
Mit Gilette hinter mir auf dem Bock, AA hatte Sireen auf seiner Maschine und Fitz auf seinem Trike, welches fast unser ganzes Gepäck trug, hatten wir zwei tolle Wochen auf den Straßen. Ich hatte jene Teile der legendären Route 66 , die noch halbwegs im Orginalzustand gehalten wurden und die einst quer durch den ganzen Kontinent geführt hatte, als Fahrstrecke herausgesucht. Die anderen waren einmal wieder erstaunt, woher ich solche alten Plätze kannte, die heutzutage kaum mehr jemand aufsuchte. Sie vergessen immer sehr schnell, dass ich eigentlich noch in eine ganz andere Zeit geboren worden war.
Doch alle Schöne findet auch ein Ende und diesmal war es ein neuer Einsatz.
In den ADL in der Saarland Sperrzone, auch SOX genannt, ähnlich abgeriegelt, wie es Denver in den UCAS war, hatte ein dort lebender Druide angeblich einen Schimmelpilz gefunden, der immun gegen eine Ansteckung durch MMVV machte. Dieser Pilz wuchs nur auf einem ganz bestimmten verseuchten See, der wohl vor lauter Strahlung nur so glühen musste.
Zu unserem Glück mussten wir nicht tief in die SOX hinein, sondern der Druide würde uns einen Probenbehälter voll am Rand der Speerzone übergeben.
Zudem war Eile geboten, weil sich jemand bei der Foundation eingeschleust und diese Infos weitergeben hatte. Die DF-Sicherheit hatte den Typ zwar schnell erwischt, aber die Übergabe des Datenpakets nicht mehr verhindern können.
Auf dem üblichen Weg als Konzernangestellte der Foundation reisten wir also zur Sox. Die deutschen Behörden würden uns zwar Stress machen, falls sie herausfänden, dass wir nicht nur ein Wissenschaftlerteam wären, aber bis dahin wollten wir längst weg sein.
Wieder einmal stellte sich Sireens Organisation als nahezu perfekt heraus und AA hatte (Überraschung!) Connections zum DND, dem Inlandsgeheimdienst. Hans Maler, ein smarter Norm aus Baden, würde uns helfen, ohne Aufsehen durch die Sperren zu kommen, wenn wir ihm auch bei einer kleinen Sache behilflich wären.
Er hatte Probleme mit einer mehr oder weniger geheimen Gesellschaft, die sich die Gefolgsleute des heiligen Leopold nannten, oder kurz Leopoldgesellschaft. Diese Spinner hatten es sich doch tatsächlich zur Aufgabe gemacht, alle Drachen, Drakes und auch gleich noch alles andere auszulöschen, was in ihren Augen die wunderbare Schöpfung ihrer Version des Christengottes verdarb.
Hier sollte ausgerechnet ich ins Spiel kommen. Als Drachentöterin sollte ich den Köder spielen, um sie aus der Deckung zu locken. Auf unsereins sind diese Irren als Mitglieder nämlich total scharf!
Ich war ein bisschen angepisst, weil scheinbar alle wussten, welchem Kodex, wenigstens zu 50% meine Magie unterworfen war, aber die Akten meiner Alma Mater in Freiburg waren für den Geheimdienst offensichtlich nicht schwer einzusehen. Tja, war wohl meine Schuld. Ich hätte beizeiten Sireen darauf ansetzen sollten, meine Daten zu vernichten. Aber das würde ich nachholen!
Das Ganze erwies sich aber als gar nicht so schwer, denn auch die Leopoldies kannten wohl meine Akte und hatten nur darauf gewartet, dass ich wieder die ADL besuchte.
Fünf der Sechs selbsternannten Ritter konnten Malers Leute festnehmen, den sechsten brachte ich selbst in Sicherheit, nachdem ich ihn versehentlich beinahe über den Haufen geschossen hätte. Der gute Mann hatte mich nämlich gepackt und noch rechtzeitig „retten“ wollen.
Sigiswild, Freiherr von Bergen war ein Norm um die fünfzig, eher sechzig, und auf jeden Fall mehr Ritter als die anderen Fünf zusammen im Quadrat. Er gehörte dem konservativen Flügel der Gesellschaft an, was in diesem Fall eher bedeutete, dass er zu den liberalen und Meta-Menschen-Freunden gehörte. Es war nicht so, dass er sich nicht in der Pflicht sah, Drachen zu töten, aber er ging davon aus, dass sein Gott (ganz offensichtlich nicht derselbe, wie der der anderen) nicht wünschte, dass er seine Energie an jene Drachen verschwendete, die der Menschheit eigentlich nichts taten sondern einfach auch über die Runden kommen wollten. Er wollte die Monster erschlagen, welche tatsächlich eine Gefahr für Gottes Schöpfungsplan waren.
Der alte Recke und ich schlossen sofort Freundschaft, während ich ihn per Zauberheilung wieder in Bestzustand versetzte und ich nahm mir vor, ihn als Kandidat für Thors Truppe oder wenigstens die Einherrjar vorzuschlagen. Ich ging davon aus, dass Odin und der Christengott sich ganz sicher einig werden würden, in welches Paradies er nach seinem zweifellos heldenhaften Ableben kommen würde.
Die Pilz-Probe? Die hat uns ein deutsches Runnerteam vor der Nase weggeschnappt. Das war zwar ärgerlich, aber sollte irgendwo ein Heilmittel daraus entwickelt werden, würden wir es erfahren. Ich hatte aber von vornherein meine Zweifel. Nur weil in der strahlenverseuchten SOX der Pilz bei anderen verstrahlten Metas eine Immunität (vielleicht) hervorrief, musste das nicht zwangsläufig auch in einer nichtverstrahlten Umgebung so sein.
Aber die Welt suchte nun einmal verzweifelt nach einem Heilmittel, also gaben die Kons viele Creds für jeden noch kleinen Hinweis aus.
Sireen war nicht glücklich über dem Misserfolg, aber auch das A-Team schaffte nicht immer alles.
Ich war nur traurig darüber, dass niemand meine Anspielung auf das A-Team verstand.
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Re: S'Me Kelly - Private Aufzeichnungen

Posted: 02 Apr 2019, 13:31
by Tom
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Schatten über Vanaheim, Teil I - Zu den Waffen, Kameraden!
Unvermittelt fand ich mich auf dem Bifröst, der Regenbogen-Brücke zwischen Asgard und Midgard wieder. Ich trug meine hier übliche Rüstung und die beiden Schwerter als Bewaffnung, deren Gegenstücke ich Waffenfoki besitze.
Inzwischen hatte ich eine echte Theorie, dass Midgard, als meine Welt, zwar zu den Reichen des Yggdrasils gehörte, aber es noch viele, viele andere zu geben schien. Irgendwo mussten die anderen Schamanen, Druiden, etc. ja ihre Macht herbekommen. Ich vermutete, dass es auch in den astralen Ebenen verschiede Bereiche geben mussten, von verschiedenen Wesen bewohnt. Die Annahme, dass alles, wirklich alles, was man als Initiat erlebt, nur durch die eigene Sichtweise das Erlebte in die eigene Erfahrungswelt übersetzt wird, aber im Prinzip jeder dasselbe sieht, ist zwar herrlich vereinheitlichend, doch vermutlich Quatsch und viel zu anthropozentrisch gedacht. Ich hatte mein vorheriges Leben so gut wie gar nichts mit Asen und Vanen zu tun gehabt, und selbst Camelot oder Avalon wären mir näher gewesen.
Ich beschloss also aufzuhören mit irgendwelchen Deutungsversuchen und mich einfach auf Thor und Freija einzulassen.
Andererseits, ich hatte auch kaum eine Wahl, oder?
Heimdall erwartete mich bereits und neigte den Kopf zum Gruß, während ich mich verbeugte.
»Lady Esme, Thor ruft seine Getreuen zu sich, um für einen Kriegszug zu rüsten. Vanaheim ist in Gefahr.«
Ich eilte so schnell ich konnte zu Thors Halle, aber ich war nicht die Einzige in Eile. Ganz Asgard schien mobil zu machen. Als ich an Freijas Palast vorbeikam, sah ich, dass er leer schien, die Walküren waren also bereits ausgerückt. Alle bis auf eine.
Unvermittelt ergriff eine starke Hand meine Schulter: »Esme, Schwester, einen Augenblick!«
Eine sehr jung wirkende Walküre hatte mich gestoppt.
»Heil Odin. Ich bin Brynhild und überbringe dir Freijas Botschaft. So lautet sie Wort für Wort: Geh mit Thor, nutze seine Schlagkraft um den Ring des Feindes zu sprengen, doch dann suche nach dem Verräter!«
»Äh! Hä!?«
»Geh mit Thor, nutze seine Schl …«
»Ja, schon kapiert. Ich war bloß etwas überrascht. Welchen Verräter meint sie denn?«
Die Walküre zuckte unglücklich mit den Schultern und ich sah, dass sie lieber bei ihren Schwestern kämpfen würde, als hier bei mir zu sein.»Wenn ich wüsste, wer der Verräter ist, würde ich ihn selbst stellen!« Sie ballte die Faust und schüttelte sie wütend. Ich erkannte da, dass sie nicht nur sehr jung wirkte.
»Ok, atme durch. Besser? Und jetzt der Reihe nach, was weiß man denn schon?«
Ihr Bericht war etwas durcheinander und ich sah gleich, dass sie selbst die Zusammenhänge nicht ganz verstand. Vanaheim ist wie die anderen Reiche des Weltenbaums an ihn gebunden, aber es gab auch noch fernere Welten. Normalerweise ist Raumfahrt oder mächtige Magie (Wurmlöcher, Portaltüren, Dimensionsbrücken, etc.) notwendig um die gewaltigen Entfernungen zu überbrücken. Dass die Entfernung nicht immer auf Raum sondern oft auch auf Zeit und Dimension bezogen war, nahm ich klaglos hin. Nach allem, was am Riss von Denver erlebt hatte, war die Einsteinsche Raum-Zeit für mich ohnehin nur noch eine grobe Richtlinie.
Verzerrte Wesen, bestehend aus Schatten und Blitzen, voller Kälte und Hunger hatten einen Brückenkopf in Vanaheim errichtet. Freija war sich sicher, dass das nur gelingen konnte, indem jemand von Vanaheim aus eine Art Leuchtfeuer entfacht hatte und dem Feind so eine Richtung durch Raum, Zeit und Dimension gegeben hatte.
Da begann ich zu laufen und Bryn schloss sich mir erstaunt an.
»Warum laufen wir auf einmal?« Sie konnte sprinten und nebenher ruhig sprechen, eine beeindruckende Konstitution!
»Das kannst du ja nicht wissen.«, hechelte ich. »Aber ich kenne den Feind. Und Freija auch. Mir war nur nicht gleich klar, dass der Feind, DER Feind ist …«
Meinem panischen Blick entnahm die junge Walküre wohl, dass Eile nun wichtiger war als ihre Neugier, also fühlte ich mich plötzlich an meiner Schulterpanzerung gepackt und emporgehoben. Ja, richtig, die Walküren konnten ja fliegen!
In Nullkommanichts kamen wir bei Thors Halle an, vor der sich eine beindruckende Schar hartgesottener Krieger eingefunden hatte. Wenigstens an die drei Dutzend aus allen möglichen Welten hatten sich eingefunden, die meisten waren irgendwie beritten, auf kleinen Streitwägen ähnlich dem Thors, der von seinen beiden Ziegenböcken Tanngnjostr und Tanngrisnir gezogen wurde. Noch einmal sei erwähnt, dass ich das Wort Ziegenbock mangels einer besseren Analogie wähle. Vermutlich hat Tanngnjostr mit Helmut, dem Ziegenbock von Ziegenhirte Peter, so viel gemeinsam, wie ein Westwind 3000 mit einem Bollerwagen.
Thor nickte mir knapp zu, als ich mit meiner Fluggelegenheit ankam. Aber er war reichlich beschäftigt einen Schlachtplan zu formulieren und es brauchte zudem seine ganze Autorität, um die wirklich ausgesprochen heterogene Truppe unter Kontrolle zu halten. Manche von denen waren sich gegenseitig fast so wenig grün, wie Klingonen und Romulaner.
Die meisten ignorierten mich, ein paar lächelten geringschätzig, denn zugegeben, unter all den Recken machte ich eine eher schlanke Figur.
Aber es gab auch Leute, die sich freuten, mich zu sehen. Der Zweiköpfige Sklade winkte mir zu und eine schwere Hand legte sich in festem Griff um meinen Unterarm, ehe ich auch nur begriff, wer dieser bewegliche BattleMech in Tarnfärbung vor mir war.
»Lady Esme, weiß wie immer einen Auftritt hinzulegen, wie? Lässt sich einfliegen, wie es sich für eine zukünftige Walküre gehört, wie?«
Es war Bant, der Heldenschmied, dessen Stimme verstärkt aus seinem Helm herauskam und so – absichtlich oder nicht – einige der Krieger ihre Meinung über mich revidieren ließ. Bants offensichtliche Freundschaft war ein Qualitätsmerkmal, dessen sich nicht viele rühmen durften.
Ich lächelte erfreut und winkte ab: »Brynhild war so freundlich. Als ich begriffen hatte, wer euch angreift, wusste ich, dass ich keine Zeit verlieren durfte.«
»Eine Frau mit Tatkraft, bei Odins Barte. Aber sag, mir meine Freundin, willst du dich die ganze Zeit von der Walküre in den Kampf tragen lassen?«
Bryn sah genauso wenig begeistert von der Idee aus, wie ich auch.
»Dann brauchst du ein Fortbewegungsmittel. Womit reist du denn in Midgard?«
Ich seufzte. »Mit einem Motorrad, auch wenn ich hier wohl eher ein Combat-Bike bräuchte, oder besser ein gepanzertes Kabinen-Trike.«
Der Zwerg brummte nachdenklich. »Soetwas habe ich auf die Schnelle nicht, aber vielleicht etwas, was dem gleichkommt?« Er tippte gegen seine Rüstung und ein Fach öffnete sich. Er griff hinein und gab mir eine kleine glänzende Karte.
Ich musterte das Ding und erst als ich Bryns bewundernden Blick sah, wurde mir klar, dass es wohl etwas ganz Besonders sein musste. Also fragte ich eben. Unwissenheit ist meistens heilbar durch schlaue Fragen, die Dummheit, gar nicht zu fragen, oft nicht.
Bryn half aus, indem sie mir die Karte abnahm und sie mir an eine nackte Stelle des linken Arms drückte. Sofort verschmolz die Karte mit der Haut und bildete ein Tattoo in der Form eines Metallwolfs.
Ich fühlte, wie sich in meinem Wissen etwas verankerte.
»Danke, aber was ist das?«
Der Heldenschmied öffnete sein Visier und antwortete für seine dröhnende Stimme verhältnismäßig leise: »Gib ihm einen Namen und es wird dir ein treues Reittier und ein loyaler Gefährte sein. Gib ihm nur regelmäßig Schmiermittel, wie Öl, einige Metall-Teile zum regenerieren und eine Aufgabe, zumindest solange du es rufst, damit er sich nicht langweilt. Wenn du es nicht mehr benötigst schick es einfach in seine Taschendimension zurück.«
Es dauerte, bis ich begriff, was er mir da gegeben hatte.
»Und du, worauf reitest du?«
»Ich hab noch zwei dieser Metall-Biester, das war nur mein Ersatz-Biest, es hat noch nicht einmal einen Namen.«
»Das kann ich unmöglich annehmen!«
Der Zwerg zog seine Augenbrauen zusammen. »Denkst du, es ist nicht gut genug für dich. Glaubst du wirklich, ich würde dir minderwertige Wa …«
»Bant, halte ein!«, beruhigte ich den sich in Rage redenden Zwerg. »Ich wollte sagen, ich habe nichts, was ich dir im Gegenzug dafür geben könnte!«
Da beruhigte sich der Zwerg sofort und ich wurde den Eindruck nicht los, dass er mich ein bisschen hatte auflaufen lassen. »Wir sind Freunde, Waffenbrüder, Kampfgefährten? Du wirst dein Leben riskieren, meine Flanke zu decken, wie ich das Meine wage um, die Deine zu halten. Was mehr könnte man geben? Und warum fällt dir es so schwer zu glauben, dass ich dich mit Vergnügen ausrüste, damit du mit meinen Werken deine Aufgabe noch besser erfüllen kannst?«
Gerührt umarmte ich den Zwergen, was wegen der puren Masse seiner Hulkbuster-Rüstung kaum gelang.
Als ich den mächtigen Stahl-Wolf rief, hatte sogar Bryn auf seinem Rücken hinter mir noch bequem Platz.
»Sei nicht dumm, Schwester!«, hauchte die Walküre mir ins Ohr. »Wenn der göttliche Schmied dir etwas schenkt, dann nimm es an und zicke nicht herum.«
»Brant ist der Schmiedegott?« Ich fiel beinahe herunter, weil ich mich so schnell zu dem gepanzerten Zwerg umsah, der nun ebenfalls auf einer Metallbestie ritt, die mich an eine Urzeithyäne erinnerte.
»Du weißt ja noch weniger als ich, und ich bin erst knapp 5 Jahre hier.«
Tja, was sollte ich darauf antworten? Sie hatte ja sowas von recht.
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Re: S'Me Kelly - Private Aufzeichnungen

Posted: 08 Apr 2019, 17:16
by Tom
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Schatten über Vanaheim, Teil II – Der Feind.
Gemeinsam mit den Anderen heizten wir über die satten grünen Ebenen von Asgard, ließen ein paar malerische Wäldchen an den Seiten liegen und hielten auf die Berge von Skoord zu. Über einen Pass dieses himmelhohen Gebirgszuges, welches den Rand von Asgard ausmachte, sollte man ins Reich der Wanen gelangen. Die Stimmung der Truppe war gut bis ausgezeichnet. Jetzt unterwegs, einen kaum bezwingbaren Feind in Aussicht, einte die so unterschiedlichen Gefährten Thors ein gemeinsames Ziel. Aber die Erwartung auf einen guten Kampf, eine gerechte Sache und den damit verbundenen Ruhm, ließ sie alle Differenzen beilegen, wenigstens fürs Erste.
Mich selbst hatte auch dieses Fieber gepackt, was ich mitunter auf Midgard ähnlich fühle. Es war, als ob alle meine Kräfte doppelt so ausgeprägt wären, nicht nur die magischen, und mich erfüllte eine Euphorie, die ich im Nachhinein bei analytischer Betrachtungsweise durchaus als Berserkertum bezeichnen will. Es war nicht so, dass ich darauf aus war, wild um mich herum alles umzumähen, wie man sich den klassischen midgarder Berserker vorstellt. Vielmehr war eine Fokussierung, wie sie manchen Autisten zugeschrieben wird, und die dadurch zu ganz außergewöhnlichen Leistungen fähig sind.

Die ersten Feinde trafen wir bereits am Pass.
Obwohl ich nicht zum ersten Mal einen Blick auf sie werfen konnte, verhinderte es Bryns fester Griff um meine Hüften, dass ich die Nerven verlor, den Stahlwolf auf der Stelle wendetet und so schnell ich konnte davon ritt.
Auch die Walküre zitterte und sie presste sich fest an mich, sodass ich sogar ihre Zähne klappern hören konnte, wobei das Klappern meiner eigenen das beinahe verhindert hätte.
Doch dann zeigte sich, warum Thor eben Thor ist. Er stieß einen Urschrei aus, der für einen Moment jeden innehalten ließ und alle, Freund wie Feind sahen zu ihm. Er hob seinen Hammer und in Bruchteilen eines Augenblicks standen wir mitten in einem heftigen Sturm. Der Himmel war so wütend, wie der Gott, der über ihn gebot und im Sekundentakt schlugen heftige Blitze in die Feinde. Kein Gefährte wurde durch sie auch nur versenkt, aber wir rochen das beißende Ozon, der sich mit dem unkreatürlichen Gestank des Hasses unsrer Feinde verband.
Man stellt Dämonen im Trideo gerne als annähernd humanoid oder tierisch dar, aber wir sahen nur Schwärze mit Kälte und vereinzelt etwas, was man als Gebiss oder Augen bezeichnen konnte. Eigentlich kämpften wir gegen feste Schatten, deren Berührung der bloßen Haut einen Graueneffekt auslöste, dem nicht alle widerstanden. Anders als die meisten Krieger Thors, hatte ich jedoch Freijas Gaben und eine davon erlaubte es mir, eine Art Schutzmantel um mich zu errichten. Ich behaupte nicht, er wäre gar nicht zu durchdringen, aber gerade gegen Angriffe auf meinen Geist kommt mir hier meine angeborene Sturheit zugute, die den Mantel zusätzlich stärkt. Zudem hatte ich eine Amazone Asgards hinter mir, und so war mein Rücken nie ungedeckt. Es ist kaum zu glauben, wie sehr es einen Menschen beruhigt, wenn er weiß, dass sein Rücken besser gedeckt ist, als seine Front.
Mit Versenger und Verstummer traf ich immer wieder den Feind, unser Stahlwolf wusste offenbar von alleine, wo er wie zu laufen hatte und zerriss mit seinem Riesenmaul immer wieder Schatten, die sich direkt von vorne auf uns stürzen wollten.
Endlich hatten wir den Pass unter unsrer Kontrolle, doch was wir von der Höhe aus sahen, ließ uns jeden Jubel vergessen.
Vanaheim war von einem Ring aus Feinden beinahe eingeschlossen. Leuchtende Kuppeln bildeten die Zentren, in denen sich die zauber-mächtigen Wanen versammelt hatten, um dem Feind zu trotzen. Es waren kleine Inseln um die große Stadt Vanaheim herum, welche dennoch in beeindruckender Weise die Stellung hielten und das Durchbrechen der Dämonen, bis auf wenige kleine Verbände, erfolgreich verhinderten. Kaum zu glauben, dass die Asen einst im Götterkrieg um die Vorherrschaft, die Wanen geschlagen hatten. Andererseits kannte ich Freija inzwischen ein bisschen besser. Ich würde den Gedanken nicht laut äußern, aber womöglich hatten die Wanen erkannt, dass es sich mit den kriegerischen Asen als Frontmännern ganz gut leben ließ und daher den Krieg eher pro Forma geführt. Nur so eine Idee, wie gesagt.
Dennoch war abzusehen, dass der Feind siegen würde, denn er bekam einen stetigen Zulauf an Nachschub und die Wanen waren bereits jetzt vom Dauersturm des Feindes schwer bedrängt.
Thor stieß einen Wutschrei aus und die Gefährten antworteten, wie auch ich, wie aus einer Kehle, mit einem ebensolchen. Schon wollte ich den Wolf antreiben, als Bant auf seiner Metallbestie neben mir auftauchte.
»Lady Esme, Lady Brynhild, mein Herr Thor ruft euch an seine Seite.«
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Re: S'Me Kelly - Private Aufzeichnungen

Posted: 29 Apr 2019, 13:09
by Tom
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Schatten über Vanaheim, Teil II – Thors Auftrag.
»Lady Esme, edle Brynhild.« Thor verschwendete keine Zeit, als wir bei ihm ankamen. »Wie ihr seht, hat der Feind einen stetigen Nachschub, aber wir sind fürs Erste die einzige Verstärkung für Vanaheim. Wir müssen daher wissen, wo wir die Nachschublinie unterbrechen sollen, oder wir werden uns über kurz oder lang an der Übermacht aufreiben. Lady Brynhild kann ihre Flügel nutzen und auch die verteidigenden Walküren befragen und euer Wolf ist stark und schnell genug, euch durch kleinere Ansammlungen des Feindes durchbrechen zu lassen. Mir ist aufgefallen, dass die Magie des Grauens auf euch keine sonderlich große Wirkung hatte. Daher seid ihr die beste Wahl für diese Mission.«
Erst viel später, auch eher deswegen, weil Bryn nicht müde wurde, davon zu berichten, wurde mir klar, welchen Respekt Thors Lob und der Sonderauftrag mir unter den Gefährten eingebracht hatte. Nicht wenige folgen daher heute auch meinem Ruf, wenn ich um Hilfe bei einer Schlacht bitte. Daher kommt auch mein, meiner Meinung nach unbegründeter Ruf, als Beschwörer mächtiger Geister. Tatsächlich beschwöre ich sie nicht, noch kann ich irgendwelche Dienste einfordern. Sie kommen, weil sie es wollen, weil sie mich achten. Nicht als Herrin, nicht einmal als Vorgesetzte, aber als Waffenschwester, als die Schildmaid aus Midgard, die standhaft an ihrer Seite kämpfte und das Vertrauen Thors genießt.
Doch all das entging mir damals, denn ich konnte die Weitsicht und das Strategieverständnis von Thor kaum fassen. Sonst war er mir nie sonderlich subtil oder gar überlegt vorgekommen, aber wenn Thor etwas kann, dann ist es Krieg führen. Nur weil er es bevorzugt, sonst eine Art Spezialkommando von wenigen Leuten in die Schlacht zu führen, bedeutete das keineswegs, dass er kein General sein kann.
Meine Achtung vor dem Donnergott war jedenfalls gewaltig angestiegen.
Auch wenn mir vor Panik das Herz bis zum Hals schlug. Bryn und ich alleine, ohne den Schutz der kampferprobtesten Helden vieler Welten an unsrer Seite?
Dennoch nickte ich natürlich entschlossen, zu etwas Anderem war ich unter Thors stolzem Blick gar nicht in der Lage und Bryn, meine wahnsinnige, heldenhafte Kameradin, stieß sich mit einem Schlachtruf vom Rücken des Stahlwolfs ab und schraubte sich in die Höhe.
»Für Odin, für Asgard, für Vanaheim!«
Thors Kampfschrei wurde aufgenommen und die ganze Schar stürmte bergab und als Beobachter konnte mir die Parallele zu dem Dutzend unbeugsamen Galliern , welche begeistert auf eine Legion Römer losging, gar nicht entgehen.
Hätten die Dämonen auch nur ein Fizzelchen Furcht oder Selbsterhaltungstrieb in sich, sie wären umgedreht und freiwillig nie wieder gekommen. So aber prallte kurz darauf das kleine Heer auf das gewaltige Schattenmeer aus Feinden. Ob der Feind ahnte, dass er damit genau Thors Plan in die Hände spielte?

Brynhild und ich hatten vorerst freie Bahn und nahmen einen anderen Weg. Denn auch die Dämonen schienen nicht völlig willkürlich vorzugehen. Es gab einen Ort, für uns fast von Vanaheim verdeckt, wo sie in größerer Masse als sonst vorkamen, aber dort keine größeren Angriffe starteten. Im Gegenteil schienen sie sich von dort aus über den Belagerungsring zu verteilen.
Ich sah, dass Bryn zum selben Ergebnis gekommen war.
Auch wenn in mir alles dagegen schrie, das war unser Zielort, dort mussten wir die Brücke oder das Portal suchen.

Erstaunlicherweise mussten wir uns nur zweimal dem Feind stellen, wobei stellen nur der phukking falscheste Ausdruck ist, aber mir kein besserer einfällt. Es sei einfach gesagt, einen dritten Kampf hätten wir nicht überlebt.
Schwer angeschlagen und ohne Stahlzahn, wie ich inzwischen mein Reittier genannt hatte, kamen wir endlich am Ziel an. Der Stahlwolf hatte uns soweit gebracht, wie er konnte, aber am Ende hatte sogar Brants Meisterhandwerkskunst versagt und ich hatte ihn weggeschickt, wie man es mir gezeigt hatte.
Versteckt zwischen hohen Felsen und von einem Unsichtbarkeitszauber verborgen, konnte ich beobachten, was mir auf grausame Weise bekannt vorkam.
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