Avesandra di Argento - Tagebuchauszüge

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Tom
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Avesandra di Argento - Tagebuchauszüge

Post by Tom » 04 Mar 2019, 03:51

Der Abschied von den horasischen Kronprinzessinnen war herzlich, besonders die junge Aldare habe ich ins Herz geschlossen, wie eine kleine Schwester - im horasischen Sinne, nicht im Sinne meiner Heimat.
Ich habe keine Ahnung, inwieweit sie ahnen, wer ich wirklich bin. Es ist nicht anzunehmen, dass nicht irgendwer inzwischen meine Gildensiegel identifiziert hat, wenigstens Thomeg Atherion muss wissen, wer ich bin. Auch glaube ich kaum, dass ich dem Inquisitor etwas vormachen konnte, aber sie alle wurden durch meine Taten wohl hinreichend überzeugt, dass ich zwar eine Grande bin, aber den Silberberg in Al'Anfa gelassen habe.
Für sie bin ich also Signora Capitana Avesandra di Argento, beurkundete Kapitänin zur See, Postgraduierte See-Offizierin, Adlige und Magierin, Mitglied der Avesloge, Dämonenjägerin und ... eine Freundin des Horasreiches.
Zugegeben, das Reich ist mir egal. Aber ich habe weitaus mehr Horasier kennengelernt, die ich um mich haben will, als Al'Anfaner.

Obwohl ich vielleicht zurückkehren sollte, meiner Familie und meinen Feinden - ganz besonders denen - zeigen sollte, dass ich noch lebe und dass ich stärker bin als je zuvor, zieht mich nichts dorthin.
Vielmehr zieht es mich in die Ferne.
Ich will den Fluch von Inga und Barwulf nehmen.
Ich will das Einhornartefakt zurückbringen.
Ich will Pianetro, meinen erstaunlichen Diener, näher kennen lernen.
Ich will die Welt sehen, als Herrin meines Schiffs und meiner eigenen Zukunft

... und ich gebe einen Eseldung darauf, was ich in Al'Anfa zurücklasse.

Tom
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Re: Avesandra di Argento - Tagebuchauszüge

Post by Tom » 04 Mar 2019, 16:30

Die Storch Fogg wurde von einer Ingerimms-Welle erwischt, doch mithilfe unsres Wasser-Dschinns und den Göttern haben wir sie unbeschadet überstanden.
Ich frage mich nur, was sie ausgelöst hat.

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Dann trafen wir auf eine sehr sanften aber stetigen Strudel, der aus angeschwemmtem Gut wie Ästen, Schiffsteilen und sogar ganzen Bäumen eine schwimmende Insel erschaffen hat.
Natürlich konnte ich gar nicht anders, als sie aus der Nähe zu bestaunen.
Dieses Efferdwunder war von einer Art Kletterpflanze bedeckt, die zuerst langsam, dann immer schneller feuerrot wurde.
Gerade noch rechtzeitig kam ich von der Insel, bevor diese mit einem Puff in Flammen aufging. Dutzende Meter hoch schossen die Flammen, doch schnell war alles vorbei. Die Insel ist nun kleiner und ziemlich verkohlt, aber ich wette, dass das nur Teil eines Zyklus ist.
Ich habe die Insel als Efferds Feuerpfad in meine Karten eingetragen. Die Aves-Loge wird sich mit Sicherheit über die Kenntnis ihres Standortes freuen.
Für andere Efferdtempel haben wir kleine Andenken von der Insel mitgenommen.

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Heuter trafen wir auf die Überreste eines albernischen Holks, der von einer Al'Anfanischen Galeere aufgebracht worden war. Zwar kann ich die Gründe Al'Anfas nachvollziehen, durchfahrende Schiffe unter fremden Flagge generell als feindlich zu betrachten, besonders wenn sie gar nicht erst versuchen mit Al'Anfa, der Herrin dieser Gewässer, auch Handel zu treiben, aber die Grausamkeit meiner Landsleute empfinde ich als abstoßend. Natürlich erfüllt Folterung oder auch öffentliche Grausamkeit einen Zweck, den ich sogar respektiere, aber von den Grausamkeiten, die an den Überlebenden des Holks verübt wurden, hätte im Normalfall keiner erfahren.
Grausamkeit als Abschreckung, nunja, wenn man es nicht anders hinbekommt!
Grausamkeit um ihrer Selbst Willen? Barbarei.

Doch für mich hat das ganze auch sein Gutes:
Ich habe günstig Besatzungsmitglieder bekommen, die sich zudem dort auskennen, wohin unser Kurs ohnehin zeigt.
Besonders auf die Hexe, ihr zauberisches Können und vielleicht auch ihre anderen Qualitäten, bin ich sehr gespannt. In Al'Anfa gibt es wenig Hexen, schon gar keine offen Praktizierenden. Aber das, was ich über Hexen gelesen habe, lässt mich auf diverse Abenteuer hoffen.

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Heute Abend liefen wir in dem Küstendorf des Sturmhammer-Otta nahe Brabak ein. Ich hoffe, wir werden willkommen geheißen und die ortsansässigen Thorwaler helfen bei der Suche nach dem uralten Magier, von dem ich mir Heilung für Inga und Barwulf erhoffe. Wenn ich dabei noch etwas über Echsenmagie lernen und den verfluchten Nekromanten/Dämonologen der Brabaker Magierschule in die Suppe spucken kann, umso besser. Speichel habe ich jedenfalls genug dafür.

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Re: Avesandra di Argento - Tagebuchauszüge

Post by Tom » 06 Mar 2019, 02:48

Wir haben erfahren, dass wir nach H'Rabal müssen, einer Stadt auf uralten Ruinen in den Bergen errichtet.
Die Einschätzung der Achaz, die wir gefragt haben, dass wir in 7 Tagen hinkommen, war etwas sehr optimistisch.

Dazu mussten wir aber nach Brabak und die örtlichen Behörden erwiesen sich als erstaunlich kompetent und entgegenkommend. Vielleicht war ich als Al'Anfanerin auch etwas vorbelastet, aber ich war sehr positiv überrascht. Solange man sich vom Westteil der Stadt, wo sich die verfluchte Magierakademie befindet fernhält, ist Brabak durchaus ein guter Hafen.

Die Reise nach H'Rabal war ... interessant und ergab in der Quintessenz die Erkenntnis: Ich bin keine Bergziege!
Der Kontakt zum gesuchten Magier ging trotz der eindringlichen Warnungen aller, die ich gefragt hatte, reibungslos. Vermutlich erleichtert mir meine Herkunft den Umgang mit egoistischen, narzisstischen, gierigen Mächtigen - an sich eine recht treffende Beschreibung der Nachbarschaft, in der ich bis zum 7.Lebensjahr aufgewachsen bin.
Der Handel war, er sorgt dafür, dass Barwulf und Inga von ihren Dämonen befreit werden, dafür dürfte er mich einen Tag lang studieren.
Ich wusste zwar, dass ich eine der interessanteren Persönlichkeiten Aventuriens bin, nahm aber an, er wollte einfach einmal die Gelegenheit wahrnehmen, herauszufinden, ob eine Magierin vom Silberberg nicht noch etwas besonderer ist.
Bei Hesinde, habe ich mich da geirrt.

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Re: Avesandra di Argento - Tagebuchauszüge

Post by Tom » 06 Mar 2019, 03:08

Auszug aus dem persönlichen, geheimen Archiv:

Ich bin, wenigstens zum Teil ein Wasserelementar! Ein WASSER-ELEMENTAR!
Der irre Magier konnte mich sogar beschwören, wenngleich mich sein Beschwörungskreis nicht halten konnte. Es war schon ein eigenartiges Gefühl, vor einem Moment noch im Alchemie-Labor zu stehen, im nächsten Moment nackt im Beschwörungskreis aufzutauchen.
Natürlich werde ich das soweit irgend möglich geheim halten und ein freundlicher Achaz-Assistent des Magiers hat mir versichert, dass der Magier am nächsten Tag auch alles vergessen haben wird. Ich gehe davon aus, sie vernichten alle Aufzeichnungen, wahrscheinlich, weil der Magier seine Helfer auch nicht netter behandeln wird, als alle anderen.
Im Endeffekt tut mir der Magier sogar leid. Er verhalf mir zu enorm wichtigen Erkenntnissen über mich selbst, ist aber weiterhin gefangen mit seinem Pakt mit den dunklen Echsengöttern, durch den er zwar unsterblich wird, aber bei jedem Sonnenaufgang vergisst, was die 24 Stunden zuvor war, es sei denn er schreibt es sich haarklein auf und memoriert den Text auf magische Weise für alle Ewigkeit in sein Gedächtnis.
Da er meine Geheimnisse aber vergessen wird, war ich für einen Moment versucht, ihm vielleicht aus diesem Pakt zu helfen, immerhin hat er meinen Teil des Handels, zumindest dem Geiste nach, nicht erhalten. Aber er ist genau diese Art von Mensch, der mich ohne den Hauch eines schlechten Gewissen betrogen hätte.

Jedenfalls erklären die neuen Erkenntnisse nun, warum ich unter Wasser atmen kann, dort nicht ermüde sondern mich eher erhole, mir Wasserzauber im Allgemeinen sehr leicht von der Hand gehen und warum ich eine Art Magnet für Dämonen bin, da die ewige Feindschaft zwischen Dämonen und Elementaren auch mit mit einschließt. Und es erklärt auch mein Bedürfnis Dämonen von Dere zu verbannen.
Vermutlich sind auch die wenig Al'Anfanischen Züge, die mir in den letzten Monden zunehmend auffallen, damit zu erklären. Ich bin zwar immer noch nicht so blauäugig und von der Idee von einer Art Gerechtigkeit für alle geblendet, aber es erscheint mir richtig, Leuten so entgegenzukommen, wie sie mir entgegenkommen. Und ich tendiere auch zumindest zu versuchen, ob es umgekehrt nicht auch so ist.
Wer mir hilft, dem helfe ich, wem ich helfe, der hilft mir. Diese einseitige Nur-Nehmen-Haltung, die vielen vom Silberberg zu eigen ist, nur weil sie die Macht dazu haben, erscheint mir zunehmend als klein-geistig und armselig, im wahrsten Sinne des Wortes.

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Re: Avesandra di Argento - Tagebuchauszüge

Post by Tom » 06 Mar 2019, 03:21

Manaq, ein wirklich eindrucksvoller und rahjaschöner Moha-Schamane, befreite Barwulf und Inga von ihren Dämonen. Auf typisch schamanistische Weise griff er in ihre Körper, zerrte die Dämonen heraus und bannte sie Töpfe. Diese Töpfe samt Inhalt wurden eine Weise vernichtet, die ich nicht schriftlich festhalten will und darf - mein Wort ist mein Pfand, wie die Thorwaler meiner Mannschaft dazu sagen.
Sie begleichen damit eine Schuld gegenüber dem irren Magier, auch wenn der nicht einmal wusste welche Schuld das war. Manaq hat es mir verraten, aber auch das fällt unter das Versprechen der absoluten Geheimhaltung.
Jedenfalls sind Inga und Barwulf endlich befreit und es fand ein großes Fest statt. Da Manaq der Oberschamane der Moha ist, war das Ganze ein Ereignis von großem Interesse für die Mohas.

Während die anderen die Nacht hindurch feierten, tanzten und sangen, fanden der schöne Schamane und ich zueinander und wir brachten den Lust und Liebesgeistern der Mohas, sowie Rahja eifrig und ausdauernd Opfer.
Ob ich jemals wieder einen Liebhaber finden werde, der auf das Wissen seiner 5000 Jahren alten Ahnenreihe zurückgreifen kann?
Finden wir es heraus!

Die Rückreise nach Brabak war deutlich leichter als die Hinreise, wohl auch deswegen, weil ich an gewissen Stellen diesmal konsequent auf meine Magie zugriff. Immerhin kann ich durch die Luft gehen und sogar andere mitnehmen, ich kann auch dafür sorgen, dass für eine Weile niemand auf Fels und Stein abrutscht.
Erstaunlich, wie viel Stress man damit vermeiden kann.

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