Tagebuchauszüge von Fiama Westwind

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Tom
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Tagebuchauszüge von Fiama Westwind

Post by Tom » 11 Oct 2020, 17:16

Erdtag, 20. Praios 1033 BF

Vater hat manchmal wirklich seltsame Pläne. Mit seltsam meine ich nicht hä, wie bitte?, sondern Was bei der gütigen Nionona hat er sich nur dabei gedacht? !
Zugegeben, ich bin perfekt geeignet für diese Mission, aber wenn ich an ein länger andauerndes Engagement denke, dann rechne ich in Wochen oder Monden, aber nicht in mehreren Götterläufen!
Es ist schon in unsrer geistesoffenen Gemeinschaft nicht ganz leicht, mit neunzehn noch wie dreizehn auszusehen, aber immerhin kennt man mich dort und weiß, was ich kann. Aber nun als ausgebildete Adepta wieder als Studiosa, ausgerechnet zu den unberechtigt hochnäsigen Garethern zu gehen, das kommt schon einer Bestrafung gleich.
Natürlich ist mir bewusst, dass durch die Versetzung des Geistes des Paktierers Haffax in den Körper eines Drachens, die Gefahr, dass er sich am Kaiserhaus selbst und unmittelbar rächen will, enorm gestiegen ist. Und selbstredend verstehe ich Vaters Bedenken, der Fähigkeiten vor Ort, damit fertig zu werden. Aber warum, bei allen Zwölfen, geht er dann nicht selbst?
Und dann schickt er mich nicht zu einer der beiden großen Akademien, sondern zu diesem neuen Störebrand-Kolleg, als wolle er mir meine Mission noch zusätzlich erschweren.
Pfffft …
Jedenfalls geht es in einer Woche los gen Gareth. Allein die nördliche Kälte und das harte Garethi lassen mich bereits schon jetzt Heimweh verspüren. Ich wünschte wirklich, Roya oder Tzasuda könnten das übernehmen. Die stehen auf solchen Agenten-Kram. Oder Nandural, solange der einen Platz zum Träumen hat, kommt der ja überall klar. Aber der treibt sich ja mit seinem Zwergenkumpel herum und spielt Hasch-Mich mit dem Namenlosenkult und Vampiren.
Nagut, ich wollte da echt nicht tauschen.
Trotzdem, mit den ganzen albern kichernden und eingebildeten Magierzöglingen wieder Grundlagen der Magietheorie zu lernen, erweckt nicht gerade die feurige Begeisterung, nach der man mich benannt hat.
Wenigstens darf ich meinen Vornamen behalten. Mein Familienname würde zu viel Aufmerksamkeit erregen – ha, die Untertreibung des Zeitalters, würde ich meinen!
Nundenn, dann eben Westwind.
Westwind ...?
Klingt gar nicht einmal so übel.

Tom
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Re: Tagebuchauszüge von Fiama Westwind

Post by Tom » 12 Oct 2020, 22:41

Windstag, 7. Rondra 1033 BF

Diese Magiekolleg in Wagenhalt ist gar nicht mal übel ausgestattet. Man merkt deutlich, dass Störebrandt hier seine Handelsmagier ausbilden lassen will und ordentlich investiert hat.
Das Lehrpersonal hingegen – ich breite besser darüber diskret den Mantel Marbos.
Meine Zimmerkameradin ist Ishebia Mundtschuh, natürlich aus einem guten Haus ehrlicher Händler, irgendwie mit Störebrant verbunden. Ich will nicht andeuten, dass die Familie dadurch noch enger an das mächtige Handelshaus gebunden sein wird, Politik ist mir reichlich einerlei. Für meine Mission frage ich mich jedoch, welchen Sinn mein Hiersein hat.
Doch Vater hat mir angeraten, geduldig zu sein, es hätte schon alles seinen Plan. Also spiele ich mit.
Fürs Erste.
Diese naivdreiste Magistra Servinjesko treibt mich mit ihrer Blümchenmagie für Kleinkinder bereits an die Grenzen des Wahnsinns. Und wenn sie mich noch ein einziges Mal Liebes Kindlein nennt, garantiere ich nicht mehr für ihre körperliche Unversehrtheit.

Tom
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Re: Tagebuchauszüge von Fiama Westwind

Post by Tom » 14 Oct 2020, 12:46

Rohalstag, 29. Ingerim 1034 BF

Gerade eben noch gelang es mir zu verhindern, dass eine Scholaria aus der Schwert und Stab Akademie verletzt wurde. Bei einer gemeinsamen Veranstaltung hätte der nandusverlassene Alchimist, den man eigens für dieses Fach angestellt hat, zugelassen, dass die junge Alydra von Bobra Wasser in dampfende Drachensäure geschüttet hätte.
Nun weiß ich zwar, dass Vaters Anforderungen im Unterricht ganz Andere waren, aber selbst ein minderbegabter Lehrer sollte wissen, dass man zuerst Wasser und dann die Säure zusammenschüttet, da sonst das Ungeheure geschehen kann, wie schon der uralte Lehrspruch sagt.
Es gab zuerst einen kleinen Aufstand von Seiten des sogenannten Lehrer, bis ich ihm, mit einem hinreichend langen Greifer für das Wassergefäß vorgeführt habe, was in den nächsten Augenblicken im Gesicht der Schülerin gelandet wäre.
Ich fürchte, ich habe mir einen Feind fürs Erste geschaffen. Hätte ich etwas zulassen sollen, dass Alydra verletzt wird? War das womöglich gar keine Dusseligkeit, sondern geplant?
Die hübsche junge Dame war hingegen sehr dankbar und ich besitze nun eine Brieffreundin. Es ist gar nicht einfach auf dem Niveau einer vierzehnjährigen zu schreiben, wenngleich es mir diese Aranierin faustdick hinter den Ohren zu haben scheint.
Nunja, von Bobra. Diese Familie ist beinahe zu bekannt in Magierkreisen, wie meine Eigene. Wenigstens geschieht endlich etwas. Bislang war meine größte Aufregung zu verbergen, dass ich Literatur für weitaus fortgeschrittenere Magier konsumiere, als es mir möglich sein dürfte.
Ich komme nicht umhin anzumerken, dass Störebrandts Bibliotheksauswahl durchaus einem hohen Standard genügt.

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Re: Tagebuchauszüge von Fiama Westwind

Post by Tom » 18 Oct 2020, 12:15

Markttag, 31.Phex 1034 BF

Keine Ahnung, wie diese kleine intrigante, schlaue, findige Aranierin es geschafft hat, aber ihr penetrantes Bemühen mich zu ihrer Schule zu holen zeitigt tatsächlich Früchte.
Irgendwie hat sie ihre Akademieleitung – gegen meinen Willen, wohlgemerkt – dazu gebracht, sich die Leistungen der Wagenhaldt-Scholari genau anzusehen. Das bedeutet zwangsläufig, ich kam in die nähere Auswahl des besonders begabten Nachwuchs, der auf magische Begabung und Veranlagung geprüft wird. Welche Ehre!
Vor der Prüfung bei der Vorführung meines Könnens ist mir nicht bange. Man kann sich leichter dumm als schlau stellen. Sobald sie allerdings meine Aura magisch untersuchen, steht den armen Garethern das Rätsel des Jahrhunderts bevor: Wenn man eine Hexe und einen Drachen-Mensch-Hybriden als Eltern hat, dürfte die Aura - gelinde gesagt – außergewöhnlich erscheinen.

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Re: Tagebuchauszüge von Fiama Westwind

Post by Tom » 19 Oct 2020, 21:59

Rohalstag, 6. Ingerimm 1034 BF

Ausgerechnet sSpkt. Saldor Foslarin hat mich vor einer Entdeckung durch die magische Analyse bewahrt.
Ich wusste zwar, dass Vater schon unter ihm ausgebildet und gedient hat – vor Urzeiten! – aber ich hatte, wie eigentlich alle gedacht, dass die Beziehung der Beiden bestenfalls frostig professionell sein müsste. Doch nun habe ich den dringenden Verdacht, dass die Beiden wenn nicht zusammenarbeiten, so sich gegenseitig doch bei ihren jeweiligen Plänen soweit unterstützen, wie es möglich ist, ohne dadurch die eigene Position preiszugeben.
Der Zwerg selbst hat dafür gesorgt, dass die magische Analyse sehr, sehr vage blieb und beschied mir mit todernster Miene nur eine bescheidene Begabung und eher durchschnittliche Zauberveranlagungen. Nur sein heimliches Zublinzeln verreit mir, dass er sehr wohl wusste …, ja was eigentlich genau?
So verbleibe ich also auf dem Störebrant-Kolleg, irgendwie eine Pariah und doch eingebunden in die Magiersozialität der Hauptstadt. Selbstredend genieße ich belustigt das hochtrabende Auftreten der Scholari der anderen beiden Schulen uns gegenüber und freue mich schon auf das zweijährige Akademieturnier, an dem im nächsten Jahr auch zum ersten Mal unser Kollege teilnehmen wird.
Ob ich dort wohl zum ersten Mal als Wunderkind auftreten sollte?

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